Beispiel für den Reflexionsteil einer GFS

11.01.2012

Für alle, die Probleme mit ihrer Ausarbeitung haben, weil sie mit den Fragen nicht auf Anhieb zurechtkommen. Dieses Beispiel stammt von einer Schülerin der Klasse 13. Klasse. Es handelt sich um eine GFS im Fach Geschichte zum 17. Juni 1953. Die Texte sind nicht vollständig, geben aber einen guten Eindruck davon, was man schreiben könnte. Es wurde an dieser Stelle auch auf die Wiedergabe der Fußnoten, die auch in diesem Teil unabdingbar sind, verzichtet. (True)

Warum habe ich mich für dieses Thema entschieden?

Grundsätzlich habe ich mich für das Thema "17. Juni 1953" entschieden, weil ich es auf der Liste der GFS-Themen der Parallelklasse gesehen habe und interessant fand. Mich interessiert vor allem die heftige Reaktion der UdSSR und der DDR-Regierung auf die Demonstrationen und den sich daraus ergebenden Aufstand des Volkes. Ein weiterrer Grund war, dass ich bis dahin von diesem Aufstand zwar gehört und gelesen habe, aber bisher kein richtiges Hintergrundwissen davon hatte. Auf die Frage, warum die Alliierten nicht eingegriffen haben, bin ich gestoßen, als ich ganz am Anfang meiner Recherchen im Geschichtsbuch unserer Stufe (Geschichte und Geschehen, Sek. II, Klett-Verlag Leipzig 2003) darüber gelesen habe. Dabei stieß ich auf den Satz: "Die erste Massenerhebung gegen ein kommunistisches Regime nach 1945 war von Panzern niedergewalzt worden und der Westen war den Aufständischen nicht zu Hilfe gekommen." (ebd., S. 78). Ich fragte mich, warum das so gewesen war, und habe dann nach meinen Recherchen zum 17. Juni 1953 nach einer Antwort auf diese Frage gesucht.

Was ist an diesem Thema interessant?

Interessant ist, dass die sowjetischen Besatzer offensichtlich eingriffen und dadurch auch Menschen aus dem Westen zu Schaden kamen (eine Person wurde am 17. Juni erschossen, weitere danach verurteilt). Die Westalliierten hingegen griffen weder ein, noch äußerten sie deutliche Kritik und wenn sie sich zu den Geschehnissen äußerten, dann übten sie lediglich Kritik am Vorgehen der SU und nicht an der Haltung insgesamt. Während der Westen bedacht handelte und versuchte, jegliche Provokation und Eskalation zu vermeiden, ging die Sowjetunion, die offenkundig rücksichtslos und gewaltsam die Unruhen niederschlug, obwohl dies eigentlich die Aufgabe der DDR-Regierung gewesen wäre, daran, die Umstände zu ordnen. Durch ihr Eingreifen und das Ausrufen des Ausnahmezustands sowie des Kriegsrechts wurde meiner Ansicht nach bewusst eine kritische Situation geschaffen. Umso interessanter ist also die Reaktion der Alliierten, die in dieser Situation den Frieden in Europa über die Freiheit des Bevölkerung der DDR stellen.

Wie bin ich bei der Vorbereitung der GFS vorgegangen?

Zuerst habe ich die Texte im Geschichtsbuch durchgelesen und die entsprechenden Stellen in den beiden Büchern aus der Lehrerbibliothek (Ploetz zur Geschichte der DDR. Daten - Fakten - Analysen. Hg. von Alexander Fischer. Komet-Verlag, Köln 2004; Die Geschichte der Opposition in der DDR 1949-1989. Ehrhart Neubert. BpB, Bonn 1997), wobei ich festgestellt habe, dass der Ploetz nicht besonders hilfreich für meinen Vortrag sein würde. Außerdem habe ich im Internet über die Suchmaschine Google nach den Schlagwörtern "17. Juni 1953" und "Folgen des Aufstands" gesucht und verschiedene Artikel durchgelesen. Artikel, die mir brauchbar erschienen, habe ich kopiert und als Quelle gespeichert. Anschließend habe ich mir überlegt, welche Themengebiete ich in meiner GFS ansprechen möchte und eine vorläufige Inhaltsangabe erstellt. Anhand dieser Ordnung bin ich vorgegangen, um mir eine schriftliche Ausarbeitung zu diesem Thema zur besseren Übersicht und als Grundlage für den mündlichen Vortrag der GFS zu erstellen. Diese umfasst bewusst ein weiteres Themengebiet und nicht nur die Frage nach den Alliierten. Dabei habe ich die verschiedenen Quellen miteinander verglichen und daraus meinen Text erstellt. Nachdem ich die schriftliche Ausarbeitung fertig hatte, habe ich damit angefangen, die Kernthesen der GFS zusammenzufassen und die bisherige Arbeit soweit es ging anahnd dieser Fragen auf der Metaebene zu analysieren. Wie ich den Vortrag und das Paper gestalte, habe ich mir als nächstes überlegt. Am Ende, nachdem ich mir einen guten Überblick über das Thema verschafft habe, bin ich meinen bereits geschriebenen Text nochmals durchgegangen, habe einige stellen nochmals überarbeitet und mir anschließend Gedanken darüber gemacht, wie man dieses Thema angemessen und interessant vor der Klasse präsentieren kann.

Warum habe ich diese Medien benutzt?

Generell hat sich im Laufe der GFS die mediale Präsentation des Themas als schwieriger erwiesen, als ich anfangs gedacht habe. Das liegt sicherlich daran, dass man das Verhalten der jeweiligen Handelnden generell schlecht darstellen kann, vor allem kaum angemessen über statisches Bildmaterial wie Fotografien. Für den Einstieg wählte ich einen Kommentar von Egon Bahr, der zu dieser Zeit für RIAS arbeitete; diesen Kommentar wollte ich als Tondokument abspielen. Über Plakate an der Tafel kann ich das Verhalten in Ost und West visualisieren, indem ich die getroffenen Maßnahmen aufliste und räumlich getrennt mit Magneten an der Tafel anbringe. Sofern ich Telegramme als Textdokumente verwenden werde, muss ich sie als Blätter austeilen, sodass zumindest auf jedem Tisch ein Blatt liegt, da das Textmaterial sehr umfangreich und teilweise auch auf Englisch ist. Über den Tageslichtprojektor wäre dies eher schwierig zu vermitteln, zumal die Englischkenntnisse der Klasse nicht so ausgeprägt sind, dass alle Schülerinnen und Schüler alles verstehen würden. Dies wäre aber für das kurze Zitat am Ende sicher möglich.

Welche Materialien habe ich benutzt? Warum diese? Wie bin ich an diese Materialien gelangt?

An Materialien habe ich vor allem Textdokumente der Bundeszentrale für politische Bildung benutzt. Dort gibt es offizielle Text- und Tondokumente und auch Archivtexte der Sowjetunion zum Anhören oder als PDF-Datei zum Herunterladen. Das ist zum einen sehr praktisch und unkompliziert, denn man muss nicht alles erst bestellen, zum andern findet man diese Text- und Tondokumente sonst nirgends so kompakt und gut sortiert. Außerdem betrachte ich die Bundeszentrale für politische Bildung als seriöse Quelle, die darüber hinaus die zusätzlichen Texte in verständlicher und ausführlicher Form darstellt. Im Einzelnen habe ich mir die Telegramme der britischen und sowjetischen Kommandanten in Berlin, die Tondokumente von RIAS und Ernst Reuter sowie die Protokolle der Sondersitzungen des deutschen Bundestags und des amerikanischen Sicherheitsrates durchgesehen und angehört. Grund dafür war, dass ich so einen differenzierten Einblick in die Situation bekommen und auch die verschiedenen Sichtweisen mitbekommen habe. Besonders interessant hierbei ist, dass es sich durchweg um Top-Secret-Informationen der Alliierten und Sowjets handelt, die die jeweiligen Sichtweisen und Motivationen sehr deutlich machen.